Meine Favoriten

Inhalt

Beantragung

Die Anordnung der Zwangsversteigerung beantragen Sie (gegebenenfalls über Ihre anwaltliche Vertretung) beim Amtsgericht formlos. Empfohlen wird, den Antrag schriftlich oder zu Protokoll der Geschäftsstelle zu stellen.

Fügen Sie dem Antrag die erforderlichen Unterlagen bei (beispielsweise Urkunden wie Vollstreckungstitel).

Gerichtliche Anordnung

  • Das Gericht prüft den Antrag.
  • Sind die Voraussetzungen gegeben, ordnet das Gericht per Beschluss die Zwangsversteigerung und / oder die Zwangsverwaltung an.
  • Der Beschluss wird dem Schuldner zugestellt.

Mit Zustellung der Gerichtsurkunde wird der Schuldner darüber informiert, dass das Eigentum beschlagnahmt, unter Zwangsverwaltung gestellt und / oder die Zwangsversteigerung angeordnet ist. Dem Schuldner ist untersagt, über die betreffenden Sachen zu verfügen. Er ist verpflichtet, die erforderlichen Unterlagen herauszugeben und mit der Verwaltung zusammenzuarbeiten.

Verkehrswert-Gutachten

Das Gericht lässt den aktuellen Verkehrswert durch einen öffentlich bestellten Sachverständigen ermitteln. Liegt das Gutachten vor, legt das Vollstreckungsgericht den Versteigerungstermin fest, potenzielle Bieter haben dann in der Regel sechs Wochen Zeit die Versteigerungsunterlagen öffentlich einzusehen.

Bekanntmachung

Die Bekanntmachung des Versteigerungstermins erfolgt in Sachsen über das bundesweite ZVG-Portal und gegebenenfalls in einer regionalen Tageszeitung.

Versteigerung

  • Ein Rechtspfleger des Vollstreckungsgerichts nimmt die Versteigerung vor.
  • Der Rechtspfleger informiert zu Beginn unter anderem über
    • den wesentlichen Grundbuch-Inhalt
    • die Gläubiger und deren Ansprüche
    • den Verkehrswert
    • die Höhe des Mindestgebotes
    • Besonderheiten, Rechtsfolgen
  • Der Meistbietende erhält den Zuschlag (Voraussetzung: Gebot von mindestens 50 Prozent des Verkehrswertes).
  • Das Ergebnis der Versteigerung wird protokolliert und dem Schuldner zugestellt.

Festsetzung eines 2. Versteigerungstermins:

  • bei Geboten unter 50 Prozent des Verkehrswertes ("5/10-Grenze"): von Amts wegen
  • bei Geboten zwischen 50 und 70 Prozent des Verkehrswertes ("7/10-Grenze"): auf Gläubiger-Antrag
  • Im 2. Termin gelten die 5 / 10- und 7 / 10-Grenzen nicht mehr, allerdings muss das Gebot mindestens die Verfahrenskosten decken (Mindestgebot).
  • Nähere Informationen zu dem Verfahren finden Sie unter "Weiterführende Informationen".

Abschluss und Verteilung

Mit der Zuschlagserteilung hebt das Gericht die Zwangsverwaltung auf, sämtliche Rechte und Pflichten gehen an den neuen Eigentümer über (nicht erst mit dem Grundbucheintrag!).

  • Das Gericht gibt einen Termin für die Verteilung bekannt (Bekanntmachung).
  • Der Zwangsverwalter erstellt einen Bericht mit Schlussabrechnung, das Gericht stellt die Aufstellungen dem Schuldner zu.
  • Der Schuldner kann dem Bericht und der Abrechnung widersprechen oder sie ausdrücklich oder stillschweigend billigen.

Einstellung des Verfahrens

Die Zwangsversteigerung kann auf Antrag des Schuldners unter bestimmten Voraussetzungen vorübergehend eingestellt werden. Dies ist auch gegen den Willen des Gläubigers möglich, der das Verfahren betreibt. Auch ein für das Schuldnervermögen bestellter (vorläufiger) Insolvenzverwalter kann gegebenenfalls die Einstellung der Zwangsversteigerung beantragen.

Der Gläubiger kann durch seine Bewilligung ebenfalls die vorübergehende Verfahrenseinstellung bewirken.